„Erfahren Sie hier, wie sich das Pullprinzip auf die Auftragsabwicklung auswirkt.“

Die Stärke eines durchgehenden Pullprinzip in der Auftragsabwicklung setzt sich durch.

Dies gilt vom Vertrieb bis in den Versand – besser gesagt: vom Versand rückwirkend bis in den Vertrieb, so wie das Pullprinzip wirkt.

Das Pullprinzip, oder Ziehprinzip genannt, löst sukzessive die bisherige Prozessstrategie des Pushprinzip, oder Drückprinzip genannt ab. Der Grund liegt in der selbstregulierenden Fähigkeit des Pullprinzips zu einem durchgehend „selbstregulierenden Prozessmanagement“. Zuverlässigkeit, geringer Steuerungsaufwand und hohe Terminsicherheit, also Liefertreue intern wie extern sind die herausragenden Eigenschaften des Pullprinzips. Diese Merkmale führen zu einer hohen Durchlaufgeschwindigkeit und Effizienz im Unternehmen, weil der Anteil an Störungen, ungeplanten Unterbrechungen, etc. gegen „Null“ minimiert wird. Gleichzeitig integriert ein visualisiertes Pullprinzip Kaizen und KVP in das Prozessmanagement.

Das Prinzip „Pull“ oder „Ziehen“ kann praktisch und modellhaft an unterschiedlichen Versuchen nachempfunden werden:

Kennzeichnen Sie eine Stirnseite eines Tisches mit dem Buchstaben A und die gegenüberliegende Stirnseite mit dem Buchstaben B. Stellen Sie 5 Gläser nebeneinander so in einer Reihe auf der Stirnseite auf, dass die Reihe auf die Stirnseite B zeigt. Diese 5 Gläser beschriften Sie mit den Nummern 1 bis 5, so dass eine visualisierte Reihenfolge von Gläsern entsteht.

  • Nun ist es das Ziel, diese Reihe von Gläsern mit Hilfe eines Stabes von Punkt A zu Punkt B zu schieben ohne das die Reihenfolge sich ändert. Sie werden sofort erkennen, das jedes Glas zur Seite ausschert. Sie bekommen es nur mit hohem Aufwand und nach mehreren Versuchen mit Unterbrechungen hin, diese Reihe von Gläsern stabil von Punkt A nach Punkt B zu schieben, also zu „drücken“.
  • Das Pushprinzip zeigt sich als sehr ineffizient und unzuverlässig. Die Termine sind praktisch nicht zu halten. Die Bearbeitungsreihenfolge – also die Folge von Gläsern – gerät zu jedem Zeitpunkt durcheinander.

Nun wenden wir das Pullprinzip, also das Ziehprinzip an. Ausgangspunkt ist wieder die aufgestellte Reihe von Gläsern, nummeriert mit den Ziffern 1 bis 5.

  • Jetzt legen Sie einen durchgehenden Faden unter die Gläserreihenfolge. Danach ziehen Sie an dem Faden, auf dem die Gläser stehen. „Ohne“ Schwierigkeiten folgen die Gläser dem Faden von Punkt A nach Punkt B.
  • Natürlich gibt es in der Praxis Abwandlungen hinsichtlich Prozessreihenfolge, Parallelität von Prozessen, Losgrößenoptimierung, etc. Diese Prozessalternativen können ebenfalls auf einfache Art und Weise mit dem Pullprinzip gelöst werden.

Dieser Modellversuch zeigt die Vorteile des Pullprinzip sehr eindeutig und beeindruckend:

  • alle einbezogenen Prozesse, hier jeweils dargestellt durch ein Glas, richten sich „automatisch aus“ hinsichtlich Reihenfolge, Priorität und gemäß geplantem Ablauf. Das Prozessmanagement bleibt stabil. Die vorgegebene Struktur ist zu jeder Zeit bereichsübergreifend die Grundlage für alle Abteilungen ohne dass die bereichsbezogenen Anforderungen eingeschränkt werden.
  • Der Fokus auf den zugesagten Kundenliefertermin bleibt immer im Fokus. Das Termingerüst bleibt stabil und konstant. Terminbesprechungen werden zur Ausnahme.
  • Die Stabilität der Einhaltung der Reihenfolge und die hohe Zuverlässigkeit interner wie externer Termine Der Besprechungsinhalt erfolgt bisher konsequent nach dem Pushprinzip. Im Mittelpunkt stehen die ERP-Systeme, die programmtechnisch und gestalterisch die Auftragsstruktur von der Stückliste bis zur Auslieferung an dem Pushprinzip ausgerichtet haben. Wesentliches Kriterium der Steuerung sind die geplanten Start- und Endtermine mit den bekannten Folgen:
  • Die tatsächliche Verfügbarkeit der Materialien, Beistellungen, Werkzeuge, etc. unterliegen erheblichen Schwächen
  • Terminbesprechungen sind notwendig um die Erfüllung der Endtermine abzugleichen
  • Projektleiter müssen sich zunehmend um die termingerechte Realisierung der Verfügbarkeit kümmern
  • Hohe interne Aufwendungen und Kosten bei gleichbleibend unzuverlässiger Liefertreue

Fazit: Das selbstregulierende Prozessmanagement in der Auftragsabwicklung ist

  • effizient und senkt die zentralen Aufwendungen und Kosten
  • sehr zuverlässig. Die Termintreue steigt von ca. 65% auf über 95% – intern wie extern. Die Fertigungsoptimierung liegt in der hohen Verlässlichkeit der Prozesse.
  • sehr sicher und die Verfügbarkeit von Material, Informationen, Beistellungen, etc. steigt auf Werte oberhalb von 95%. Selbstregulierung erfolgt in Anlehnung des Kanban.
  • eine hohe Mitarbeiterzufriedenheit. Die geringe Anzahl an Störungen, Abweichungen, Planänderungen, etc. führt in eine hohe Ruhe bei gleichzeitig steigendem Output
  • Selbstregulierung und Selbstführung wird in den nächsten Jahren Schwerpunkt im Lean Management sein.