„Sie wollen wissen, wie das Pullprinzip funktioniert?“

 

Pullprinzip – Wie funktioniert Pull?

Pull bedeutet übersetzt „ziehen“ und bezeichnet die strategische Ausrichtung des Prozessmanagements nach dem (Zieh) Pullprinzip in einem Unternehmen. Pull steht zur entgegengesetzten Strategie des Pushprinzip, auch Drückprinzip genannt. In der Theorie gibt es nur diese 2 strategischen Ausrichtungsmerkmale des Prozessmanagements: Pull oder Push.

In der Praxis werden jedoch zahlreiche Misch-Varianten angetroffen. Warum gibt es diese Mischformen? Das Pullprinzip beginnt konsequent im Versand und wirkt rückwärts die gesamte Auftragsabwicklungskette entlang bis zum Vertrieb zurück. Weil auf diesem Weg häufig die zentrale Planung einbezogen wird, kommt es zum „Bruch“. Planung wirkt grundsätzlich nach dem Pushprinzip bzw. Drückprinzip. Dies führt dazu, dass scheinbar bis zur Planungsabteilung gezogen wird – also Pull – und anschließend über Planungsparameter gedrückt wird. So kommt es zur Mischform auf Grund fehlender Konsequenz.

 

Wie funktioniert Pull (ziehen)?


Wie kann man sich Pull merken?

Es ist gut am Beispiel aus der täglichen Praxis zu erklären: grundsätzlich trinken wir wenn wir Durst haben – unser Magen signalisiert einen Bedarf und zieht die Flüssigkeit an. Wir trinken und wenden damit das Pull- bzw. Ziehprinzip an. Praktisch jeden Tag. In der Fertigungsoptimierung oder Produktionsoptimierung erfüllt das Pullprinzip die Strategie, es wird nur DAS produziert was gebraucht wird.

Wenn wir im Restaurant ein Glas Wasser bestellen, wenden wir auch das Pullprinzip an. Denn wir verspüren Durst und wir bestellen beim Kellner einen Bedarf an Wasser. Also kommt es beim Pullprinzip nicht darauf an, ob die Flüssigkeit geholt oder gebracht wird! Das Pullprinzip beschreibt nur den Informationsweg.

Kombination Pullprinzip und Kunden-Lieferantenbeziehung


Wie kann man sich Pull merken?

Sehr elegant ist es, wenn der Kellner die Aufgabe hat, die Gläser zu füllen, wenn das Glas beim Besucher (fast) leer ist. In diesem Fall ist es die Transparenz des Glases, welches ohne zu sprechen den Kellner auffordert nachzureichen. Wir können ein selbstregulierendes Prozessmanagement nach Kanban erkennen. Wir sehen eine Kombination des Pullprinzips mit dem Prinzip der Kunden-Lieferantenbeziehung. Darüber hinaus erkennen wir den großen Wert der Transparenz, den das durchsichtige Glas darstellt. Der aktuelle Füllstand im Glas wird mit der Transparenz kommuniziert.


Unterscheidung zum Holprinzip und Bringprinzip

Häufig wird das Holprinzip mit dem Pullprinzip gleichgesetzt, was nicht zutreffend ist. Im Holprinzip holt sich der Kunde die Flüssigkeit selbst aus dem Regal. Im Bringprinzip liefert bzw. bringt der Kellner das Glas Wasser dem Kunden. Beides erfolgt nach dem Pullprinzip. Die Materialflussplanung bedient sich diesen Prinzipien und ordnet die Puffer so an, dass in kurzen Wegen entnommen werden kann.

Zusammenfassend können wir festhalten, das im Push- oder Pullprinzip die Strategie der Informationsübermittlung beschrieben wird, dagegen das Hol- bzw. Bringprinzip die Strategie der Materialbewegung beschrieben wird.

Für die Prozessoptimierung und die Materialflussplanung sind die entsprechenden Kombinationen interessant. Im „Flowing Business“ wird mit hoher Transparenz gearbeitet. Die Visualisierung des Arbeitsvorrates hat die gleiche Bedeutung wie das Glas, welches der Kellner zu füllen hat. Es ist für den internen Kunden nicht notwendig den Bedarf an Aufträgen, Material, o.ä. zu kommunizieren, weil der sichtbare Arbeitsvorrat dem internen Lieferanten signalisiert, dass der sich leerende Arbeitsvorrat aufgefüllt werden muss.